Sonntag, 22.06.2008

Absurde Idee zu Ende gedacht

Weimar. (tlz/Gö) Ronen Eidelman ist von ganzem Herzen Israeli, und mit seiner Familie, die hoch angesehen in Jerusalem lebt, aufs Engste verbunden. Und dennoch beobachtet der 36-jährige Künstler, gerade weil er Künstler und besonders sensibel dafür ist, die Politik Israels wie die anderer Staaten äußerst kritisch. Schon immer hinterfragte er Staats- und Nationendenken und zeigte auf, wie willkürlich es ist.

Völlig willkürlich ist für ihn auch die Idee des iranischen Präsidenten, Österreich und Deutschland mögen einen Teil ihres Territoriums für einen jüdischen Staat zur Verfügung stellen. Als sozial engagierter Künstler hat er den absurden Vorschlag aufgegriffen, ihn konsequent zu Ende gedacht und die Bewegung "Medinat Weimar" gegründet. Sie setzt sich für die Etablierung eines jüdischen Staates in Thüringen ein - mit Weimar als Hauptstadt. Die Polit-Simulation - nach anderthalbjährigem Studium seine Abschlussarbeit zum "Master of Public Arts" an der Bauhaus-Universität Weimar - stellte Ronen Eidelman gestern zunächst bei einer Kundgebung auf dem Theaterplatz vor, danach bei einer Konferenz im Palais Dürckheim, in die die Verteidigung der Arbeit vor den Professoren der Universität integriert war.

Auf dem Theaterplatz, wo jüdische Musik, aber auch Transparente wie "Koschere Bratwurst jetzt!" oder "Auch die Diaspora braucht ein Zuhause" die Passanten trotz der Hitze neugierig machten, stellte Ronen Eidelman mit Freunden sowie mit Unterstützung der Gerberstraße die 13 Thesen zu "Medinat Weimar" vor und klar, dass die Bewegung nicht praxisorientiert, sondern ein Versuch ist, Anregungen zu geben und provokante Fragen zu stellen, die Widersprüche antisemitischer, nationalistischer und zionistischer Argumente offenbaren und ihre innere Absurdität aufzeigen. Letztlich will "Medinat Weimar" erreichen, was gestern im Kleinen auf dem Theaterplatz demonstriert wurde: ein friedvolles Miteinander von jüdischen, muslimischen, ja: von Menschen aller Religionen und Nationen. Die Befürchtung, Vertreter der rechten Szene könnten sich durch das Kunstprojekt, das als solches nicht auf den ersten Blick zu erkennen war, so provoziert fühlen, dass sie dagegen demonstrieren oder gar die Akteure attackieren, sollte sich nicht bestätigen. Die zweistündige Veranstaltung lief frei von Störungen ab. Von der Idee begeistert, mit "Medinat Weimar" könnten alle Weltprobleme auf einmal gelöst werden, fanden sogar die bereitgestellten Buttons Abnehmer. - Die Bauhaus-Universität, die das Projekt als problematisch im Hinblick auf die deutsch-jüdischen Beziehungen bewertet und sich von ihm distanziert hat, hob ihre Vorbehalte nicht auf. Doch immerhin erkannten die Professoren seinem Urheber gestern den angestrebten Abschluss zu.

22.06.2008    

Thüringische Landeszeitung Verlag OHG